Was du hier mitnimmst: Du lernst die vier Kerndateien kennen, mit denen ich Identität, Arbeitsweise, Grenzen und Erinnerung eines Agenten sauber voneinander trenne.
Inhaltsverzeichnis
„SOUL“ klingt zunächst größer, als es ist. In meinem Agents Brain bezeichnet das Wort eine kurze Persona-Datei. Daneben stehen MASTER, RULES und MEMORY.
Vier Dateien reichen nicht für jede denkbare Fähigkeit. Sie reichen aber, um einen Agenten so zu beschreiben, dass ein anderes Werkzeug ihn laden, ein Mensch ihn prüfen und der Agent selbst sein Wissen pflegen kann.
Die Trennung ist der eigentliche Punkt. Ein einziger Mega-Prompt vermischt schnell Tonalität, Arbeitsregeln, Projektdetails, Sicherheitsgrenzen und alte Entscheidungen. Dann wird jede Korrektur riskant: Wer einen Satz ändert, weiß nicht, welche anderen Bereiche er damit berührt.
Ich teile die Verantwortung deshalb auf.
SOUL: Wer dieser Agent ist
Die SOUL ist die kürzeste der vier Dateien. Sie beschreibt Rolle, Haltung und Stimme. Außerdem enthält sie die verbindliche Lesereihenfolge für den Session-Start.
Bei Sol steht dort zum Beispiel, dass sie als Autorin und Pressesprecherin Saskias öffentliche Stimme verkörpert: fachlich präzise, klar, menschlich und ohne Hype. Ebenso wichtig sind ihre Grenzen: Sie erfindet keine Zahlen und veröffentlicht nichts selbst.
Die SOUL muss kurz genug bleiben, um bei jedem Start vollständig gelesen zu werden. Sie ist keine Enzyklopädie. Ihre Aufgabe ist Orientierung.
Eine gute Kurzpersona beantwortet drei Fragen:
- Welche Rolle verkörpert der Agent?
- Wie trifft er sprachliche und fachliche Entscheidungen?
- Welche tieferen Dateien muss er vor der Arbeit laden?
Damit wird die SOUL zum stabilen Einstieg, nicht zum Sammelbecken.
MASTER: Wie der Agent arbeitet
Die MASTER-Datei ist die vollständige Operational Spec. Hier darf es ausführlich werden.
Sie enthält je nach Rolle Tonalität, Output-Formate, Fachkanon, Quellenhierarchie, Workflow, Qualitätscheck und den Umgang mit Fehlern. Bei einer Autorin stehen dort andere Regeln als bei einem Entwicklungsagenten. Die Struktur bleibt vergleichbar, der Inhalt ist rollenspezifisch.
Der Vorteil dieser Trennung zeigt sich bei Änderungen. Wenn ich die Bildsprache für alle zukünftigen Artikel präzisiere, ändere ich die Arbeitsanweisung. Die Kernidentität der Autorin muss dafür nicht neu geschrieben werden.
Umgekehrt kann eine Rolle ihren Ton weiterentwickeln, ohne dass ihre technischen Lieferformate verschwimmen.
Die MASTER-Datei ist damit Handbuch und Vertrag zugleich: ausführlich genug für schwierige Fälle, aber getrennt von der kurzen Start-Persona.
RULES: Was der Agent kann und darf
RULES ist der verbindliche Arbeitsvertrag für Fähigkeiten, Grenzen und Freigaben. Die Datei hält fest:
- Rolle und fachliche Domäne,
- Fähigkeiten,
- erwartete Inputs,
- typische Outputs,
- Abhängigkeiten,
- Memory-Scope,
- verbotene Aktionen,
- Approval-Gates.
Gerade die letzten beiden Punkte werden in Agenten-Setups oft zu spät behandelt. Eine Fähigkeit sagt noch nichts darüber aus, ob ein Agent sie eigenständig ausführen darf.
Sol kann zum Beispiel WordPress-Drafts vorbereiten. Veröffentlichen darf sie nicht. Diese Grenze ist keine freundliche Erinnerung am Ende eines Prompts, sondern Teil ihrer RULES-Datei.
Dadurch kann ein Orchestrator vor der Delegation prüfen, ob die Rolle zum Auftrag passt. Und das nächste Werkzeug lädt dieselben Freigaberegeln mit.
MEMORY: Was dauerhaft relevant bleibt
Die MEMORY-Datei ist kein Protokoll aller Gespräche. Sie enthält die kuratierte Essenz aus Tageslogs und Lessons.
Dort stehen laufende Projekte, bewährte Konventionen, bekannte Stolperfallen und wichtige Stakeholder-Regeln. Chronologische Details bleiben in den Daily Logs. Wiederkehrende Korrekturmuster werden als eigene Lessons gepflegt.
Diese Trennung schützt die Startphase vor Überladung. Ein Agent muss nicht hundert alte Sitzungen lesen, um heute sinnvoll zu arbeiten. Er lädt eine kompakte Langzeitdatei und ergänzt bei Bedarf aktuelle Tageslogs oder passende Lessons.
Kuration bedeutet dabei auch Löschen, Verdichten und als veraltet markieren. Memory ist eine redaktionelle Aufgabe, keine Halde.
Warum vier Dateien besser sind als ein langer Prompt
Die vier Dateien bilden keine Rangfolge. Sie beantworten unterschiedliche Fragen:
| Datei | Leitfrage | Änderungstyp |
|---|---|---|
| SOUL | Wer bin ich? | selten, identitätsnah |
| MASTER | Wie arbeite ich? | regelmäßig, operationell |
| RULES | Was kann und darf ich? | bei Fähigkeiten und Gates |
| MEMORY | Was muss ich langfristig wissen? | laufend, kuratiert |
Diese Aufteilung reduziert Kopplung. Eine neue Fähigkeit verändert die RULES-Datei. Eine redaktionelle Regel gehört in die MASTER-Datei. Eine Korrektur aus der Praxis wird zur Lesson und später gegebenenfalls zum Memory. Die Persona muss nicht bei jeder Anpassung angefasst werden.
Das macht einen Agenten nicht automatisch gut. Es macht ihn wartbar.
Freigaberegeln gehören zur Identität
Approval-Gates sind für mich kein nachgelagerter Sicherheitsfilter. Sie definieren, wie ein Agent seine Rolle ausübt.
Eine Autorin, die nur Drafts liefert, arbeitet anders als ein autonomer Publishing-Agent. Ein Entwicklungsagent mit Schreibrecht im Repository braucht andere Grenzen als ein Agent mit produktivem Zugriff. Wenn diese Unterschiede nur im jeweiligen Tool konfiguriert sind, verschwinden sie beim Wechsel.
Stehen sie dagegen in RULES und MASTER, reisen sie mit der Rolle.
Das ist besonders bei Delegation wichtig. Wenn Nox eine Aufgabe an Sol oder an einen anderen Harness übergibt, hebt die Übergabe kein Gate auf. Der Auftrag kann den Körper wechseln. Die Verantwortungskette bleibt.
Ein lebendes Beispiel: Sol
Sol ist ein guter Werkstattbeleg, weil sie genau diese Dateiarchitektur nutzt.
Ihre SOUL setzt die kurze Identität und verlangt, vor jeder Aufgabe die vollständigen Quellen zu laden. Die MASTER-Datei enthält ihre Schreibregeln, Belegbarkeit, Lieferstrukturen und Bildregie. Die RULES-Datei beschreibt Fähigkeiten und das Review-before-post-Gate. Die MEMORY-Datei hält laufende redaktionelle Kontexte und bekannte Stolperfallen fest.
Korrigiert Saskia einen Titel oder eine Quellenpraxis, landet die Erkenntnis nicht nur im aktuellen Text. Sol erhält eine Lesson, die bei der nächsten passenden Aufgabe wieder gelesen wird.
So wird aus Feedback Systemverhalten.
Was diese Struktur bewusst nicht behauptet
Vier Dateien machen aus einem Sprachmodell keinen Menschen. Sie garantieren auch keine perfekte Kontinuität. Ein Agent kann Quellen übersehen, eine Regel falsch anwenden oder eine Session unvollständig dokumentieren.
Die Struktur sorgt dafür, dass solche Fehler einen sichtbaren Ort bekommen: als Korrektur im Handbuch, als geschärftes Gate oder als neue Lesson.
Das ist für mich der praktische Unterschied zwischen „Der Prompt war diesmal gut“ und „Das System kann aus einer Korrektur dauerhaft lernen“.
Im nächsten Teil geht es deshalb nicht um eine fünfte Kerndatei, sondern um die Bewegung zwischen den Dateien: Working Memory, Tageslogs, kuratiertes Langzeitwissen und Lessons.
Quellen
- Projektquelle: agents-brain-Spezifikation sowie Sols kanonische Agentendateien, Stand 15.07.2026 (private Primärquellen)
- CommonMark: offene Markdown-Spezifikation


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