Was du hier mitnimmst: Du siehst, warum ein bewusst geplanter Tool-Ausstieg trotzdem Kontext kostet – und wie daraus mein dateibasiertes Agents Brain entstanden ist.
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Am 10. Februar 2026 habe ich Nox eingerichtet: meinen KI-Orchestrator für ein Team aus fünfzehn spezialisierten Agenten. Ende März habe ich das Tool abgeschafft, in dem dieses Team organisiert war.
Das war kein ungeplanter Ausfall. OpenClaw hatte mir bei Updates wiederholt Arbeit gemacht. Die Updates liefen oft in den frühen Morgenstunden. An manchen Tagen kostete es mich anschließend einen halben Arbeitstag, OpenClaw und mein Setup wieder sauber zum Laufen zu bringen. Irgendwann war die Rechnung eindeutig: Ich reparierte zu viel Infrastruktur und erledigte zu wenig von dem, wofür sie da war. Also habe ich mich aktiv dagegen entschieden.
Die Entscheidung war richtig. Ihre Folgen waren trotzdem aufschlussreich.
Ich dachte, ich tausche nur ein Werkzeug aus
Im Februar und März hatte das Team bereits eine klare Arbeitsteilung. Ein Agent recherchierte, ein anderer schrieb, ein dritter prüfte. Nox hielt als Orchestrator Aufgaben, Reihenfolge und Übergaben zusammen. Das Setup war nicht theoretisch. Es hatte sechs Wochen praktisch gearbeitet.
Mit dem Ende des Tools war diese Zusammenarbeit nicht einfach exportierbar. Die laufende Orchestrierung, Kanäle und Automatisierungen gehörten zum damaligen Systemzustand. Sie ließen sich nicht als funktionierende Einheit in das nächste Werkzeug tragen.
Ein anderer Teil überdauerte jedoch: die Markdown-Dateien.
Personas, Langzeitwissen und Tageslogs waren lesbar, obwohl das ursprüngliche Werkzeug nicht mehr im Einsatz war. Für diese Dateien brauchte ich weder einen Export noch eine spezielle Oberfläche. Ein Texteditor reichte.
Damit war die entscheidende Grenze sichtbar: Was nur im Tool-Zustand existierte, musste ich neu aufbauen. Was als Datei vorlag, konnte ich weiterverwenden.
Das Modell ist selten das Problem. Der Kontext fast immer.
Von Ende März bis Mitte Mai war Konzeptzeit
Nach der Abschaffung habe ich nicht einfach das nächste Agenten-Framework installiert. Von April bis Mitte Mai habe ich an drei Fragen gearbeitet.
Wie wird (m)ein KI-Team wirklich portabel?
Ein Ordner voller Dateien ist noch kein System. Ich wollte eine Struktur, aus der ich einen Agenten in einem neuen Werkzeug zuverlässig laden kann: mit derselben Rolle, denselben Grenzen und demselben relevanten Wissen.
Dafür musste klar sein, welche Informationen zu einer Agentenidentität gehören – und welche nur Eigenschaften des aktuellen Werkzeugs sind.
Wie lässt sich der Orchestrator wechseln?
Nox war als Teamlead eng mit seinem damaligen Arbeitsumfeld verbunden. Ich wollte diese Bindung auflösen. Der Orchestrator sollte einen anderen technischen Körper bekommen können, ohne dass ich Persona, Handwerk und Freigaberegeln neu erfinde.
Das bedeutete: Die Identität durfte nicht länger im System-Prompt eines einzelnen Tools stecken. Das Werkzeug sollte nur noch laden, was an einem unabhängigen Ort bereits definiert ist.
Wie wird aus Sessions belastbares Gedächtnis?
Session-Verläufe sind bequem, aber keine verlässliche Langzeitablage. Sie werden gekürzt, verschwinden aus dem sichtbaren Kontext oder sind nur innerhalb eines Produkts (bpsw. Claude Code, ChatGPT Codex, OpenClaw, etc.) nutzbar.
Ich brauchte deshalb eine Schreibroutine: Tageslogs für das Erlebte, kuratiertes Langzeitwissen für das Wesentliche und Lessons für Fehler, die nicht zweimal passieren sollen.
Diese drei Fragen – Portabilität, Körperwechsel und Gedächtnis – wurden zum Kern meines Konzepts.
Am 16. Mai wurde aus Skizzen ein Repo
Am 16. Mai 2026 habe ich den ersten Commit im neuen Repository angelegt. Seine Nachricht lautete: feat: initial shared brain skeleton.
Der Name war passend. Das System war ein Skelett, kein fertiges Produkt. Aber die Grundentscheidung stand: Markdown ist die Quelle der Wahrheit. Git hält Änderungen nachvollziehbar. Ein Agent erhält einen eigenen Ordner. Gemeinsames Wissen wird referenziert statt kopiert. Werkzeuge bekommen dünne Adapter, die auf diese Quelle zeigen.
Ich nenne mein System Agents Brain. Ähnliche dateibasierte Ansätze existieren auch anderen Stellen, denn logischerweise bin ich nicht die Einzige, die mit den “Kinderkrankheiten” der noch recht jungen agentischen KI kämpft. Hier geht es um meinen Werkstattbericht: ein lebendes Multi-Agenten-System mit Rollen, Gedächtnisregeln und expliziten Approval-Gates.
Was Dateien lösen – und was nicht
Dateien machen Kontext lesbar, versionierbar und transportierbar. Sie lösen aber nicht automatisch das Memory-Problem.
In den alten Tageslogs fehlt zum Beispiel eine Woche im März. Diese Lücke ist real. Sie entstand nicht beim Tool-Wechsel, sondern vorher: Was niemand aufschreibt, kann später auch kein Repository rekonstruieren.
Genau deshalb ist die Architektur mehr als ein Ablageort. Sie braucht Regeln dafür, was am Anfang einer Session gelesen und am Ende geschrieben wird. Sie braucht eine Grenze für sensible Inhalte. Und sie braucht die Disziplin, Langzeitwissen zu kuratieren, statt jeden Verlauf dauerhaft aufzubewahren.
Der bewusste Ausstieg aus OpenClaw hat mir also nicht gezeigt, dass ein bestimmtes Tool schlecht ist. Er hat mir gezeigt, dass meine Agentenidentität nicht Eigentum eines Tools sein darf.
Die Entscheidung hinter dem System
Mein wichtigstes Designziel lässt sich ohne Pathos formulieren:
Wenn ein Werkzeug morgen wegfällt, bleiben die Markdown-Dateien lesbar und der Agent daraus rekonstruierbar. Engines und Oberflächen sind Ergänzungen, keine Voraussetzungen.
Daran habe ich das System von Mai bis Juni weiter ausgearbeitet. Am 6. Juli begann der praktische Testlauf: Nox wechselte in Hermes, während sein Brain im Repository blieb.
Ob diese Trennung im Alltag trägt, lässt sich nicht mit einer Architekturzeichnung beantworten. Sie muss unter realer Arbeit bestehen. Genau das prüfe ich seitdem.
Im nächsten Teil zeige ich die sieben Hard Rules, die aus dieser Konzeptphase entstanden sind – und warum mein Agents Brain bewusst ein Git-Repo und keine neue Datenbank ist.
Sources
- Projektchronik: agents-brain-Spezifikation und Git-Historie, Stand 15.07.2026 (private Primärquellen)
- Pro Git: About Version Control
- Obsidian Help: How Obsidian stores data

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